Die Ergebnisse der jüngsten Wahlen haben viele Menschen verunsichert – auch Martina Wittkowski. In einem Beitrag für OM Online beschreibt die Kreispfarrerin im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland, wie sie über Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung nachdenkt und welche konkreten Möglichkeiten sie im Alltag sieht. Ihr Ausgangspunkt: In Cloppenburg und anderswo dürfe es nicht als normal gelten, Menschen abzuwerten oder auszugrenzen, nur weil sie anders sind.

Wittkowski berichtet, dass sie in der Woche nach der Wahl in Sachsen-Anhalt unruhig gewesen sei. Sie hatte zuvor verfolgt, wie die Kirche gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren Zeichen für Nächstenliebe, Menschenwürde und Zusammenhalt setzte. Dazu gehörten Demokratiefeste und eine große Chorveranstaltung in einer Kirche in Magdeburg, bei der Herbert Grönemeyer mit 400 Sängerinnen und Sängern auftrat.

Eine spontane Demonstration im Cloppenburger Stadtpark

Vor den Kommunalwahlen in der Region stellte sich Wittkowski die Frage, was sie selbst und was die Kirche gegen Ausgrenzung tun könnten. Eine kurzfristige Anfrage gab ihr eine konkrete Gelegenheit: Sie wurde gebeten, bei einer Demonstration im Cloppenburger Stadtpark zu sprechen. Initiiert hatte die Veranstaltung die Gruppe „Lesbisch in Cloppenburg“.

Die Initiative wollte nach Wittkowskis Darstellung sichtbar sein. Bei der spontan organisierten Veranstaltung hätten junge Menschen offen über ihre Erfahrungen gesprochen. Sie erleben demnach wegen ihrer sexuellen Orientierung im Alltag Ausgrenzung. Zugleich sei der Ton der Veranstaltung freundlich gewesen: Im Mittelpunkt habe nicht die Anklage gestanden, sondern der Wunsch nach einem guten Zusammenleben.

Als Leitgedanken wurde bei der Demonstration mehrfach ein Ausspruch von Margot Friedländer aufgegriffen. Für Wittkowski liegt darin eine einfache, aber weitreichende Aufforderung, menschlich zu bleiben. Die Begegnung im Stadtpark habe sie berührt, schreibt sie.

Was im Alltag möglich ist

Wittkowski nennt mehrere Schritte, die aus ihrer Sicht jede und jeder gehen kann. Dazu gehört, Menschen den Rücken zu stärken, wenn sie angefeindet werden. Sie plädiert außerdem dafür, zu widersprechen, wenn Menschen herabgewürdigt werden, und nachzufragen, wenn pauschale Schuldzuweisungen oder einfache Antworten als unumstößliche Wahrheit präsentiert werden.

Darüber hinaus wirbt die Kreispfarrerin für Vernetzung und persönliche Begegnungen. Menschen könnten gemeinsam zeigen, dass Vielfalt zwar nicht immer unkompliziert, aber bereichernd sei. Feiern, Kennenlernen und miteinander zu sprechen, könne zusätzliche Gelegenheiten schaffen, Vorurteile abzubauen und einen positiven Ton zu setzen.

Ein Beispiel für die Wirkung solcher Gesten schildert Wittkowski anhand einer kurzen Videosequenz aus Sachsen-Anhalt. Eine muslimische Frau mit Kopftuch habe sich am Tag nach der Wahl kaum mit ihrem Kind in einen Supermarkt getraut. Dort seien ihr jedoch besonders freundliche Menschen begegnet: Sie hätten ihr zugenickt, sie gegrüßt und sie an der Kasse vorgelassen.

Für Wittkowski beginnt Zusammenhalt mit solchen konkreten Handlungen. Ihren Beitrag versteht sie als persönliche Antwort auf die Frage, was gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung getan werden kann – in der Kirche, in der Stadtgesellschaft und im täglichen Miteinander.

Zur Autorin

Martina Wittkowski ist Kreispfarrerin im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland. OM Online veröffentlichte ihren Beitrag am 22. September 2026 um 19 Uhr.