Ein Jahr nach seinem überraschenden Sieg kehrt Tobias Kebernik aus Cloppenburg an diesem Sonntag zum Oldenburg-Marathon zurück. Der 29-Jährige, der für den BV Garrel startet, hat ein klares Ziel: Er möchte erneut gewinnen und möglichst unter 2:30 Stunden bleiben. Zugleich geht der Läufer mit einer anderen Haltung an den Start als noch im Frühjahr.
Kebernik hatte den Oldenburg-Marathon vor einem Jahr unerwartet gewonnen und war damit zum Shootingstar der regionalen Laufszene geworden. Seine damalige Zeit betrug 2:39:09 Stunden. Nach dem Triumph plante er für 2026 den nächsten großen Schritt und wollte die Marke von 2:30 Stunden knacken.
Der Versuch, dieses Ziel beim Hannover-Marathon zu erreichen, endete jedoch vorzeitig. Kebernik hatte sich 14 Wochen vorbereitet, musste das Rennen aber nach der Hälfte wegen eines Piriformis-Syndroms aufgeben. Die Schmerzen strahlten in sein gesamtes Bein aus. Nach eigener Erinnerung konnte er nicht mehr laufen und hatte sogar Schwierigkeiten beim Gehen. Sein Vater musste ihn von der Strecke abholen.
Verletzung brachte Zweifel und eine Trainingspause
Die Verletzung belastete den Cloppenburger nicht nur körperlich. Auch Zweifel kamen auf, ob er überhaupt noch eine Zeit unter 2:30 Stunden erreichen könne. Statt den Druck weiter zu erhöhen, reduzierte Kebernik sein Training. Acht Wochen lang absolvierte er ruhige Basisläufe – ohne Tempovorgaben und ohne ständigen Blick auf die Uhr.
Diese Phase veränderte seinen Zugang zum Sport. Die Freude am Laufen, die während der intensiven Vorbereitung auf Hannover teilweise verloren gegangen war, kehrte zurück. Im Sommer lief Kebernik nach eigener Darstellung wieder lockerer und entspannter. Aus dem Gefühl, etwas unbedingt schaffen zu müssen, wurde für ihn die Einstellung, laufen zu dürfen.
„Ich bin vieles anders angegangen. Es war nicht mehr ,Ich muss das jetzt machen’, sondern ,Ich darf laufen’.“
Seinen Trainingsalltag organisiert der selbstständige Videograf konsequent um seinen Beruf herum. Morgens isst er Toast mit Marmelade und geht anschließend auf die Laufstrecke. Nach der Arbeit fährt er häufig noch auf dem Indoor-Fahrrad. In einzelnen Wochen kamen zwischen 140 und 160 Kilometer Lauftraining zusammen, ergänzt durch sechs bis acht Stunden Radtraining mit geringer Intensität.
Mit dem Radtraining wollte Kebernik seine Grundlagenausdauer stärken, ohne sein Bein unnötig hohen Stoßbelastungen auszusetzen. Die fest eingeplanten Trainingseinheiten verlangen nach seiner Einschätzung Disziplin, werden mit der Zeit aber zum Alltag.
Vorbereitung für den zweiten Marathon-Sieg
Inzwischen befindet sich Kebernik in der Endphase seines 14-Wochen-Programms für den Start in Oldenburg. Die Erinnerungen an den Vorjahressieg sind weiterhin präsent, auch wenn er sie während der Vorbereitung nicht ständig hervorgerufen hat. Besonders die Atmosphäre beim Lauf durch die Stadt ist ihm geblieben. Die Stimmung habe ihn im vergangenen Jahr stark angetrieben.
Sein erster Sieg war auch deshalb ungewöhnlich, weil Kebernik ursprünglich im Halbmarathon starten wollte. Da das Teilnehmerfeld dort bereits voll war, meldete er sich für den Marathon an – und gewann. In diesem Jahr ist die Entscheidung bewusster: Für diesen Sonntag hat er sich direkt für die komplette Distanz von 42,195 Kilometern angemeldet.
Unter 2:30 Stunden zu laufen, bleibt sein Wunsch. Eine Garantie sieht Kebernik darin jedoch nicht. Der angekündigte Wind könne den Rennverlauf deutlich beeinflussen. Deshalb müsse er klug laufen, möglicherweise das Tempo anpassen und dürfe sich nicht zu früh verausgaben.
Damit tritt der Cloppenburger zwar weiterhin mit sportlichem Ehrgeiz an, bewertet den Lauf aber nicht mehr ausschließlich nach der Uhr. Die vergangenen Monate haben ihm nach eigener Einschätzung gezeigt, dass der Marathon auch Raum für Freude lassen soll. Diese neue Leichtigkeit will er nun mit nach Oldenburg nehmen.