Der 21. August ist in den USA seit Jahrzehnten ein Tag für ältere Menschen. Ein Kommentar von Alfons Batke stellt deshalb die Frage, ob Deutschland einen eigenen Seniorentag braucht – nicht als Feier des Alters, sondern als Anerkennung der Lebensleistung von Frauen und Männern.
Batke, der nach Angaben des Verlags auf eine mehr als 40-jährige journalistische Laufbahn zurückblickt und in Lohne wohnt, greift das Thema in seinen „Notizen aus dem Herbst des Lebens“ auf. Anlass ist der US-amerikanische „Senior Citizens Day“, der dort seit 1988 begangen wird.
Seit 1988 ein Tag der Anerkennung
In den Vereinigten Staaten werden ältere Menschen am 21. August geehrt. Der Kommentar verweist darauf, dass der Tag auf eine präsidiale Verfügung aus dem Jahr 1988 zurückgeht. Gemeint sind vor allem Menschen, die meist im Ruhestand sind und ihr Leben lang in der Gesellschaft gearbeitet haben.
Batke hält einen vergleichbaren Gedenktag in Deutschland grundsätzlich für denkbar. Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht darum, das „Seniorentum“ pauschal zu feiern. Vielmehr sollten ältere Frauen und Männer für das gewürdigt werden, was sie in ihrem Leben geleistet haben. Der Autor wendet sich zugleich gegen ein Altersbild, das Senioren als Belastung oder als Verantwortliche für die Probleme kommender Generationen abstempelt.
Was sich mit dem Alter verändert
Der Text nähert sich dem Thema auch mit persönlichen Beobachtungen. Auf dem Stoppelmarkt, so beschreibt Batke, locke im höheren Alter nicht mehr unbedingt der Nervenkitzel von „Commander“ oder „Wilde Maus“. Stattdessen werde die ruhigere Fahrt im Riesenrad attraktiver.
Auch Gespräche unter Freunden verschieben sich demnach: Häufig gehe es zunächst um den letzten Prostata-Check beim Urologen und erst danach um ein mögliches Füllkrug-Comeback bei Werder. Neue E-Bike-Routen könnten mehr Interesse wecken als die Formel 1. Batke beschreibt diese Veränderungen als schleichenden Prozess und erkennt für sich selbst, dass er im „Herbst des Lebens“ angekommen ist.
Eine Begegnung in Berlin habe ihm das besonders deutlich gemacht. Sowohl in der U-Bahn als auch im Bus seien ihm von zwei Menschen Sitzplätze angeboten worden. Auch seine 96-jährige Mutter habe ihn mit einem Brief der Rentenversicherung an das Alter erinnert: Sie habe ihn gefragt, ob er sich ebenfalls über die Nachricht und eine Rentenerhöhung von vier Prozent gefreut habe.
Rente, längeres Leben und ein anderer Blick
Die Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre hätten nach Batkes Einschätzung stets über der Inflationsrate gelegen. Zugleich kritisiert er, dass Renten ab einer bestimmten Grenze noch versteuert werden. Trotzdem plädiert der Kommentar für einen milderen Blick auf das Alter: Menschen lebten länger und hätten bessere Möglichkeiten, mit den Anforderungen des Alters umzugehen als frühere Generationen.
Zum Schluss zitiert Batke die Schriftstellerin Marie-Luise Kaschnitz: „Das Alter ist kein Kerker, sondern ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht.“ Wünschenswert wäre aus seiner Sicht, dass jüngere Generationen gelegentlich zu diesem Balkon aufblicken.
Sein Fazit fällt zurückhaltend aus: Einen jährlich wiederkehrenden „Tag der Senioren“ brauche es nicht unbedingt. Schön wäre es aber, wenn es ihn gäbe.