Ein Garten, eine Schatzkarte und eine Crew voller undurchsichtiger Seeleute: Im Garten der Katholischen Akademie Stapelfeld haben 230 Gäste eine aufwendig inszenierte Schatzinsel erlebt. Das Live-Hörspiel des Theaters ex libris war bereits im Vorfeld vollständig ausverkauft und wurde vom Publikum mit anhaltendem Applaus belohnt.

Die Aufführung fand unter freiem Himmel statt und knüpfte an ein erfolgreiches Gastspiel im Corona-Sommer 2020 an. Damals war das Ensemble im Vorhof der Katholischen Akademie aufgetreten. Die Neuauflage im Garten übertraf diesen Erfolg nach Angaben der Akademie deutlich. Die hinter Heckenrosen und Bäumen untergehende Sonne sorgte zusätzlich für eine besondere Atmosphäre.

Stevensons Abenteuer als akustisches Theater

Im Mittelpunkt stand Robert Louis Stevensons Abenteuerroman. Die Handlung beginnt 1751 an der englischen Westküste: Der heruntergekommene Pirat Bill Bones nimmt im Gasthof der Familie Hawkins Quartier. In seiner Kiste verbirgt sich eine Karte, die zu dem legendären Goldschatz des verstorbenen Käpt’n Flint führen soll. Nach Bones’ Tod nimmt Jim Hawkins das Kartenpäckchen an sich und zeigt es seinem väterlichen Freund Dr. Livesey.

Gemeinsam mit dem wohlhabenden Gutsherrn Trelawney als Finanzier organisiert Livesey eine Expedition. Auf dem Dreimaster von Captain Smollett sticht die Mannschaft in See. Unter den Matrosen befinden sich jedoch mehrere zwielichtige Gestalten. Jim reist als Schiffsjunge mit und belauscht später aus dem Inneren einer Apfeltonne die entscheidende Verschwörung.

Christoph Tiemann formte den Roman zu einer Dialog-Erzählung. Dabei machte er den Spannungsbogen stellenweise hörfreundlicher, blieb aber eng an Stevensons erzählerischer Linie. Auch ungewöhnliche Einzelheiten des Originals fanden ihren Platz – darunter der Parmesan in Liveseys Schnupftabakdose und dessen motivierende Wirkung auf die vereinsamten Bewohner der Schatzinsel.

Stimmen, Geräusche und Musik live auf der Bühne

Die vier Multi-Rollen-Sprecher wechselten fortlaufend zwischen unterschiedlichen Figuren. Alexander Rolfes verkörperte unter anderem Bill Bones und Captain Smollett, Christoph Tiemann sprach Long John Silver und Black Dog, Markus von Hagen übernahm Dr. Livesey und den blinden Pew. Paula Iven gestaltete die Erzählerfigur Jim.

Johannes Kraas ergänzte das Spiel mit präzise gesetzten Geräuschen und begleitete gesungene Passagen live am Keyboard. Wellenrauschen, Möwengeschrei, Seemannslieder und der immer wieder widerhallende Papagei erzeugten eine dichte Klangwelt. Die Bild-Animationen auf zwei großen Bildschirmen waren für diesen Effekt nach Einschätzung der Berichterstattung eigentlich nicht nötig.

Besonders wirkungsvoll war, dass Stimmen und Geräusche nicht einfach nacheinander abgespult wurden. Sie wurden in ständigem Wechsel und teilweise parallel komponiert – vollständig live und ohne im Studio übereinandergelegte Tonspuren. So entstand in Stapelfeld ein vielschichtiges Hörerlebnis, bei dem sich das Publikum die Reise an Bord des Schiffes unmittelbar vorstellen konnte.