Ein seltener Chemieunfall hat das medizinische Team des St.-Josefs-Hospitals Cloppenburg vor eine besondere Herausforderung gestellt: Ein 30-jähriger Mitarbeiter eines Labors war bei der Arbeit mit hoch konzentriertem Phenol in Kontakt gekommen. Sichtbar war zunächst nur eine Rötung am rechten Handgelenk – etwa so groß wie eine 2-Euro-Münze. Nach der Behandlung und mehreren Kontrollen konnte der Mann wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des Krankenhauses bei der Arbeit des Laboranten. Zwischen Schutzhandschuh und Schutzkleidung war 99-prozentiges Phenol auf die Haut gelangt. Der Patient reagierte sofort, spülte die betroffene Stelle ausgiebig mit Wasser und fuhr anschließend in die Notaufnahme des St.-Josefs-Hospitals.

Äußerlich kleine Verletzung, medizinisch hohes Risiko

In der Notaufnahme zeigte sich zunächst lediglich eine gerötete Hautstelle mit brennendem Gefühl. Für die behandelnden Ärzte war die geringe Größe der sichtbaren Verletzung jedoch kein ausreichender Hinweis auf die tatsächliche Gefährdung. Bei hoch konzentriertem Phenol müssen laut Krankenhaus auch mögliche Auswirkungen auf den gesamten Körper berücksichtigt werden.

Das Team nahm deshalb unmittelbar Kontakt mit der zuständigen Giftnotrufzentrale auf. Auf deren Empfehlung wurde die betroffene Haut zusätzlich mit Polyethylenglykol gespült und dekontaminiert. Die dafür benötigte Lösung lag nicht direkt in der Notaufnahme, sondern im Notdepot. Sie wurde kurzfristig über die Krankenhausapotheke in die Abteilung gebracht, damit die Behandlung ohne unnötige Verzögerung fortgesetzt werden konnte.

„Doch hinter dieser scheinbar überschaubaren Verletzung steckte eine Substanz, die für den menschlichen Körper erhebliche Risiken birgt: hoch konzentriertes Phenol“, erklärte Dr. Sonja Römer, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme. Oberärztin Milana Nikitina behandelte den Patienten in der Notaufnahme.

Überwachung und Laborkontrollen im Krankenhaus

Phenol kann den Angaben zufolge bei entsprechender Aufnahme in den Körper nicht nur die Haut schädigen, sondern auch andere Organsysteme beeinträchtigen. Der 30-Jährige wurde daher stationär aufgenommen und unter Monitorüberwachung beobachtet. Zusätzlich erfolgten gezielte Blutuntersuchungen. Am folgenden Tag wurden weitere Laborkontrollen durchgeführt.

„Dieser Fall zeigt, dass die Größe einer Verletzung nicht immer etwas über die notwendige medizinische Aufmerksamkeit aussagt. Entscheidend ist, womit der Patient in Kontakt gekommen ist und welche Folgen daraus entstehen können“, sagte Nikitina.

Für das Behandlungsteam zeigte der Fall außerdem, wie wichtig bei seltenen Notfällen die schnelle Zusammenarbeit verschiedener Bereiche ist. Beteiligt waren neben der Notaufnahme die Labordiagnostik, die Überwachung, die Krankenhausapotheke und die Giftnotrufzentrale. Dr. Römer betonte, der Anspruch des Krankenhauses sei es, auch auf ungewöhnliche Notfallsituationen vorbereitet zu sein und den einzelnen Patienten in den Mittelpunkt zu stellen.

Nach der Überwachung und den Kontrolluntersuchungen konnte der Laborant die stationäre Behandlung wieder verlassen.