Ein Patientenforum im St.-Josefs-Hospital Cloppenburg hat gezeigt, was hinter den Türen der Zentralen Notaufnahme passiert, wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Beschwerden gleichzeitig Hilfe benötigen. Unter dem Titel „Wenn jede Minute zählt – ein Blick in die Notaufnahme“ erklärten Chefärztin Dr. med. Sonja Römer und ihr Team, wie medizinische Dringlichkeit eingeschätzt wird, warum Wartezeiten entstehen können und bei welchen Symptomen sofort gehandelt werden muss.
Die Zentrale Notaufnahme ist dabei nicht nur ein Ort, an dem Patienten behandelt werden. Nach Angaben des Krankenhauses stehen die schnelle Einschätzung der Dringlichkeit, eine gezielte Diagnostik und die rasche Einleitung der Therapie im Mittelpunkt. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Berufsgruppen arbeiten dafür eng und interdisziplinär zusammen.
Warum nicht die Reihenfolge des Eintreffens entscheidet
Eine zentrale Rolle spielt die sogenannte Triage. Unmittelbar nach der Aufnahme wird eingeschätzt, wie dringend eine medizinische Behandlung erforderlich ist. Wer zuerst am Krankenhaus eintrifft, wird deshalb nicht automatisch zuerst behandelt. Maßgeblich ist vielmehr die medizinische Dringlichkeit des jeweiligen Falls.
Dr. Römer verwies bei dem Forum außerdem auf die zunehmende Belastung von Notaufnahmen und bat Patienten um Verständnis und Geduld, wenn es zu Wartezeiten kommt. Für viele Beschwerden seien niedergelassene Ärzte beziehungsweise der vertragsärztliche Bereich die passende Anlaufstelle. Zugleich machte sie deutlich: „Es muss nach Dringlichkeit behandelt werden“.
Die Pflege übernimmt in diesem Ablauf eine wichtige Funktion. Pflegekräfte sind kontinuierlich an der Seite der Patientinnen und Patienten, erkennen Veränderungen frühzeitig, koordinieren Abläufe und tragen gemeinsam mit dem ärztlichen Team dazu bei, auch in zeitkritischen Situationen sicher zu handeln.
Diese fünf Notfälle standen im Mittelpunkt
Das Team stellte die „Big Five“ der Notfallmedizin vor: Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Atemnot, schwere Traumata und Sepsis. Bei allen fünf Krankheitsbildern kann ein schneller Beginn der medizinischen Versorgung entscheidend sein.
Nicole Henn, pflegerische Bereichsleitung der Zentralen Notaufnahme und Endoskopie, informierte über den Herzinfarkt. Die Beschwerden seien nicht immer eindeutig. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte unverzüglich der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden. Die Mitarbeitenden der Leitstelle stellen gezielte Fragen, geben Hinweise und unterstützen dabei, in der Stresssituation Ruhe zu bewahren. Medizinische Unterlagen sollten, sofern möglich, zusammengesucht und dem Rettungsdienst mitgegeben werden.
Über Warnzeichen eines Schlaganfalls sprach Dr. med. Jasemin Dannheim, Oberärztin und Fachärztin für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Mögliche Symptome sind plötzlich auftretende Gleichgewichtsstörungen oder Doppelbilder, ein herabhängender Mundwinkel, Schwierigkeiten, beide Arme gleichzeitig oben zu halten, sowie eine auffällige oder unklare Sprache. In solchen Fällen gilt ebenfalls: sofort 112 wählen. In der Notaufnahme folgen eine schnelle körperliche Untersuchung und eine bildgebende Diagnostik, um Ursache und notwendige Behandlung zu klären.
Akute schwere Atemnot kommt nach Angaben von Dr. med. Bernadette Bröring-Wolf bei rund 20 Prozent der Patienten in der Notaufnahme vor. Zunächst muss geklärt werden, ob Lebensgefahr besteht. Das Team beurteilt unter anderem Haut- und Lippenfarbe, Atemfrequenz und Atemgeräusche. Ergänzend kommen Pulsoxymetrie, EKG, Blutdruckmessung, kapilläre Blutgasanalyse, Temperaturmessung und Laboruntersuchungen zum Einsatz. Als mögliche Ursachen wurden unter anderem Lungenentzündung, Lungenkollaps, Lungenembolie, Asthmaanfall, eine Verschlechterung einer COPD und Herzschwäche genannt. Je nach Ursache können Sauerstoff oder eine nicht-invasive Beatmung über eine Maske erforderlich sein.
Schwere Verletzungen und Sepsis erfordern feste Abläufe
Milana Nikitina erläuterte anhand eines schweren Verkehrsunfalls, wie die Versorgung eines schwerverletzten Menschen organisiert wird. Ein solcher Notfall führt zur Aktivierung des Schockraums. Die Untersuchung und Behandlung erfolgt nach den international etablierten ATLS-Prinzipien und dem strukturierten ABCDE-Schema. In dem vorgestellten Fall zeigte ein Ganzkörper-CT mehrere Frakturen. Die Patientin musste intensivmedizinisch behandelt, künstlich beatmet und operiert werden. Nach der Stabilisierung konnte sie auf die Normalstation verlegt werden.
Als fünftes Notfallbild wurde die Sepsis vorgestellt. Dabei reagiert der Körper lebensbedrohlich auf eine Infektion; schwere Organschädigungen können die Folge sein. Als Auslöser kommen unter anderem Bakterien und Viren infrage. Besonders gefährdet sind beispielsweise ältere Menschen, chronisch Kranke und Neugeborene.
Warnsignale einer Sepsis können Verwirrtheit, eine auffällige oder erschwerte Atmung, ein stark beschleunigter Puls und das ausgeprägte Gefühl sein, schwer oder „sterbenskrank“ zu sein. Nach Angaben des Krankenhauses zählt bei einer Sepsis die Zeit: Je später die notwendige Behandlung beginnt, desto schlechter können die Chancen für den Patienten werden.
Als wichtigste Botschaft des Forums blieb damit: Brustschmerzen, akute Atemnot, plötzlich auftretende Lähmungs- oder Sprachstörungen und der Verdacht auf eine schwere Infektion sollten unverzüglich abgeklärt werden. Bei einem entsprechenden Verdacht auf einen akuten Notfall ist der Rettungsdienst unter 112 zu alarmieren.