Der bislang namenlose Brunnenplatz vor dem neuen Rathaus in Molbergen könnte künftig Elisabeth-Selbert-Platz heißen. Die SPD-Fraktion hat bei der Gemeindeverwaltung beantragt, den Platz an der Cloppenburger Straße und am Kneheimer Weg nach der Juristin und Demokratiepolitikerin zu benennen.

Der Vorstoß steht im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau des Molberger Rathauses. Der Brunnenplatz soll künftig als repräsentativer Vorplatz in die Architektur eingebunden werden. Nach Ansicht der SPD bietet sich deshalb an, dem zentralen Ort schon jetzt einen Namen mit demokratischer Bedeutung zu geben.

Warum die SPD Elisabeth Selbert vorschlägt

Elisabeth Selbert lebte von 1896 bis 1986 und war eine von vier Frauen im Parlamentarischen Rat. Sie war maßgeblich an der Ausarbeitung des Grundgesetzes 1948 und 1949 beteiligt. Besonders setzte sie sich dafür ein, dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Artikel 3 Absatz 2 als einklagbares Grundrecht verankert wurde.

Um Unterstützung für dieses Ziel zu gewinnen, mobilisierte Selbert damals die Bevölkerung mit einer öffentlichen Briefkampagne. Die SPD-Fraktion stellt ihre Beharrlichkeit deshalb als Vorbild für demokratischen Fortschritt und Gleichstellung heraus. Der geplante Rathausvorplatz soll nach dem Willen der Antragsteller an diese Werte erinnern.

„Dieser Ort wird zum politischen Mittelpunkt unserer Gemeinde. Es ist daher naheliegend, ihn schon jetzt mit einem klaren demokratischen Leitbild zu verbinden“

Das sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Marcel Niemann. Andrea Schneider aus der SPD-Fraktion betont außerdem, Selbert habe gezeigt, dass demokratischer Fortschritt häufig gegen Widerstände erkämpft werden müsse.

Zwei Alternativen liegen dem Antrag bei

Die Benennung nach bedeutenden Frauen knüpft laut SPD an eine bestehende Tradition in Molbergen an. Als Beispiel nennt die Fraktion die Anne-Frank-Schule. Zugleich verweist sie darauf, dass Frauen bei der Benennung von Straßen und Plätzen in deutschen Kommunen weiterhin deutlich unterrepräsentiert seien.

Neben Elisabeth Selbert enthält der Antrag zwei weitere Vorschläge: Sophie Scholl, Mitgründerin der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, sowie Bertha von Suttner, die als erste weibliche Friedensnobelpreisträgerin bezeichnet wird.

Gemeinderat entscheidet über den Namen

Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Über die konkrete Benennung soll der Gemeinderat im weiteren Beratungsverfahren entscheiden. Zuvor ist die Beratung im zuständigen Fachausschuss und im Verwaltungsausschuss vorgesehen.

Die praktische Umsetzung wäre nach Angaben der SPD vergleichsweise einfach, weil der Platz bislang keinen Namen trägt. Für Anwohnerinnen und Anwohner wären daher keine Adressänderungen notwendig. Erforderlich wären lediglich ein neues Platzschild und eine Meldung an das Katasteramt des Landkreises Cloppenburg.

„Der symbolische Wert dieser Benennung steht in keinem Verhältnis zu den geringen Kosten der Umsetzung“

Mit diesen Worten fasst Niemann die Position der SPD-Fraktion zusammen.