Ein ungewöhnlicher Arbeitsplatzwechsel hat Leon Langemeyer aus Lastrup in die Führungsetage der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg gebracht. Der 21-Jährige tauschte im Rahmen der bundesweiten Aktion „Schichtwechsel“ seinen Arbeitsplatz in der Caritas-Werkstatt für Menschen mit Behinderungen gegen den Chefsessel der Kreishandwerkerschaft.

Organisiert wurde der Austausch vom Caritas-Verein Altenoythe. Die Vermittlung erfolgte über ein Bewerbungsverfahren. Eigentlich sollte Geschäftsführer Dennis Makselon Langemeyers Tauschpartner werden. Weil Makselon kurzfristig absagen musste, übernahm die stellvertretende Geschäftsführerin Jana Reinke diese Rolle.

Start mit einem besonderen Parkplatz

Für Leon begann der Arbeitstag mit einem kleinen Privileg: Der Wagen, mit dem er pünktlich um 8.20 Uhr zur Kreishandwerkerschaft gebracht wurde, durfte auf dem Chefparkplatz stehen. Angesichts der angespannten Parkplatzsituation nahm der 21-Jährige das nach Angaben der Kreishandwerkerschaft besonders aufmerksam wahr.

Anschließend nahm Leon als neuer Geschäftsführer auf dem Chefsessel Platz. Er ist damit einverstanden, geduzt zu werden – im Handwerk sei das schließlich meist üblich. Zunächst berichtete er über seine eigene Tätigkeit in der Werkstatt. Gemeinsam mit seinem Team fertigt er Fahrzeugteile für die Graeper GmbH & Co. KG.

Sein erster Termin führte ihn zur Wirtschaftsförderung des Landkreises Cloppenburg. Dort begrüßte ihn der neu gewählte Landrat Dirk Gehrmann. Nach einer Vorstellung der Arbeit und des Teams stand die feierliche Übergabe eines Zuwendungsbescheids an die Kreishandwerkerschaft auf dem Programm.

Interesse an Glasfaser und Werkstatttechnik

In der Kreishandwerkerschaft erkundete Leon außerdem die Elektro-Werkstätten der überbetrieblichen Lehrlingsausbildung. Schon bei der Wirtschaftsförderung interessierte er sich laut Mitteilung besonders für Internet und Glasfaserausbau. In den Werkstätten konnte er verschiedene Kabel und Anschlüsse aus der Nähe ansehen. Auch Motorensteuerung und ein Druckluftkompressor weckten sein Interesse.

Während Leon den Arbeitsalltag der Kreishandwerkerschaft kennenlernte, arbeitete Jana Reinke in der Caritas-Werkstatt mit. Dabei zeigte sich, dass die Aufgaben anspruchsvoll sind: Reinke gelang es nach eigenen Angaben nicht, die Schrauben korrekt in Metallbleche einzudrehen. Das Ergebnis bestand die Qualitätskontrolle nicht, ihr Tagesoutput musste ersetzt werden.

Die Begegnung mit ihrem Team empfand Reinke dennoch als persönliche Bereicherung. Besonders beeindruckten sie die Begeisterung der Mitarbeitenden für ihre Arbeit, ihre Fröhlichkeit, Offenheit und der herzliche Umgang. Betriebe mit Auftragsarbeiten sollten deshalb eine Zusammenarbeit mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen prüfen, erklärte sie laut Mitteilung.

Neue Kontakte und mögliche Aufträge

Auch den „Schichtwechsel“ selbst bewertete Reinke positiv. Er ermögliche eine neue und bereichernde Perspektive und sei empfehlenswert. Andreas Wieborg, Vorstand des Caritas-Vereins Altenoythe, hob neben dem Austausch auch die neuen Kontakte hervor. Dazu zählten aus seiner Sicht die Verbindungen zum neuen Landrat.

Leon kam am Ende zu dem Schluss, dass die Mitarbeitenden der Kreishandwerkerschaft ihre Arbeit so fortsetzen könnten. Bei Reinke in der Werkstatt sah er dagegen noch Verbesserungspotenzial. Damit es nicht bei diesem einen Besuch bleibt, wurden Leons Team und die Gruppenleitung in die Werkstätten der Kreishandwerkerschaft eingeladen. Außerdem wird bereits über mögliche Auftragsvergaben an Leons Team nachgedacht.