Der Herbst kündigt sich an, der Garten soll winterfest werden – und für OM-Kolumnist Heiko Bosse beginnt damit eine jährliche Pflichtaufgabe: der Heckenschnitt. In seiner Kolumne beschreibt der Autor die Arbeit mit dem Lebensbaum als mühsamen Kraftakt, der sich über zwei Oktober-Wochenenden ziehen kann.

Veröffentlicht wurde der Text am 28. August 2026 um 20 Uhr unter dem Titel „Heckenschnitt mit Mauslochtritt“. Bosse schreibt aus der Perspektive eines Gartenbesitzers, der dem Herbst zwar ausgesprochen gelassen entgegensieht, den notwendigen Schnitt seiner Hecke aber weniger begeistert erwartet. Der „goldene Herbst“ blinzele durch das Geäst, während von den sommerlichen Schmetterlingen kaum noch etwas zu sehen sei. Nur eine Hummel am Lavendel halte noch aus.

Zwischen Lavendel, Spinnweben und Wühlmauslöchern

Sein Ziel ist klar: Gerade Linien und scharfe Kanten sollen die Hecke in Richtung Advent bringen. Die anfängliche Motivation hält laut Bosse jedoch nicht lange. Nach den ersten Metern werde die Heckenschere zunehmend zur Belastung – besonders dann, wenn sie über Kopf eingesetzt werden müsse.

Der Kolumnist erklärt die Aufteilung auf zwei Wochenenden mit seinen „Schreibstubenarmen“, die eher für das Verfassen von Kolumnen als für körperliche Arbeit geeignet seien. Einen Seitenhieb auf moderne Technik kann er sich ebenfalls nicht verkneifen: Zwar fliege der Mensch zum Mond und entwickle faltbare Smartphones, eine besonders leichte Akku-Heckenschere gebe es aber offenbar noch nicht.

Der Arbeitstag beginnt bei ihm an einem kühlen Samstagmorgen im Oktober. Die Kleidung ist verschlissen, an den Turnschuhen klebt noch Mutterboden aus dem Vorjahr. Auch die Uhrzeit will wohlüberlegt sein: spät genug, um die Nachbarn nicht aus dem Schlaf zu holen, aber möglichst so, dass sie gerade nicht am Fenster stehen.

Die Leiter wird zum nächsten Problem

Schon nach rund 30 Minuten sammelt Bosse neben dem Schnittgut auch Spinnweben ein und tritt in zwei Wühlmauslöcher. Aus der geplanten Gartenpflege wird endgültig eine körperliche Prüfung. Die Hecke, die auf dem Papier 1,60 Meter misst, wirkt vor Ort plötzlich 2,10 Meter hoch. Deshalb kommt eine Trittleiter zum Einsatz.

Beim Schneiden der Oberseite schmerzen die Arme, während die Leiter erneut in die Nähe der Wühlmauslöcher gerät. Bosse beschreibt die Situation mit viel Selbstironie und ist froh, vorsorglich in der Kirche zwei Kerzen angezündet zu haben. Gegen Mittag endet die erste Etappe mit Muskelkater-Erwartung und einer Dusche. Das Gefühl danach: fast wie bei einem echten Handwerker.

Doch abgeschlossen ist die Arbeit damit nicht. Die Fortsetzung ist bereits angekündigt – am nächsten Wochenende soll es weitergehen.