Wer in Cloppenburg hinter Bekannten an der Supermarktkasse steht, schaut womöglich nicht nur auf den eigenen Einkauf. In seiner Kolumne „Abgerechnet wird an der Kasse“ beschreibt Heiko Bosse, wie Produkte auf dem Kassenband zu vermeintlichen Hinweisen auf Gewohnheiten, Pläne und sogar den Lebensstil anderer werden. Sein Fazit ist augenzwinkernd: Ein Einkauf verrät manchmal mehr, als den Betroffenen lieb sein dürfte.

Die am 24. August 2026 veröffentlichte Kolumne beginnt mit einer Beobachtung aus dem Alltag. Neben einem ungeputzten Schuh könne auch der Inhalt eines Einkaufs etwas über einen Menschen preisgeben. Besonders unangenehm sei es, Bekannten und Kollegen an drei Orten zu begegnen: im Urlaub, beim Dermatologen und am Kassenband. Bosse macht daraus eine zugespitzte These: „Zeig mir deinen Einkauf, und ich sag’ dir, wer du bist!“ Den Satz schreibt er sich selbst zu – „Ich – gerade eben.“

Vom Schokopudding bis zur Grillkohle

Der Autor schildert, wie aus einzelnen Produkten im Kopf der Beobachter ganze Geschichten entstehen. Abgepackter Bierschinken wird zum Anlass für einen Kommentar über vermeintlich fehlende Lektüre. Zwei Packungen Schokopudding mit Sahne führen zu Spekulationen über das Aussehen einer Kundin. Wiener Würstchen der Eigenmarke und Schokolade werden sogar mit der wirtschaftlichen Lage eines Salons in Verbindung gebracht.

Auch ein anderer Einkauf scheint auf den ersten Blick eine Geschichte zu erzählen: Servietten, sechs Flaschen Wein und Grillkohle lassen Bosse vermuten, dass Lisa und Gerd am Freitag Besuch zum Grillen bekommen. Daraus folgt in seiner Kolumne ein praktischer Gedanke: Die Wäsche müsse dann nicht draußen hängen. Zugleich räumt er ein, dass solche Deutungen eigentlich unangemessen sind. Trotzdem liege der Einkauf vor einem wie eine „offene Patientenakte“.

Selbstscanner als diskreter Ausweg

Eine mögliche Lösung gegen neugierige Mitkäufer sieht Bosse in modernen Scannern, die immer mehr Supermärkte am Eingang anbieten. Kundinnen und Kunden scannen dabei jedes Produkt selbst, bevor es im Korb oder Wagen landet. An der Kasse müssen sie den Einkauf anschließend nicht mehr auspacken. Die Technik wird in der Kolumne damit zum „Segen“ für alle, die fremde Blicke auf ihren Waren vermeiden möchten.

Bosse nutzt diese Möglichkeit nach eigener Darstellung gern – allerdings nicht nur aus Diskretionsgründen. Er will sich regelmäßig den Eindruck des „vorbildlichsten Körbchens der Welt“ zusammenstellen. Für einen Samstagabend mit der Giovanni-Zarrella-Show plant er Crémant und Ouzo. Maishähnchenbrust am Knochen wird hochkant an den Rand gestellt, damit sie später noch einmal angehoben werden kann.

Die Lücken sollen Balistos, Aufback-Croissants, Weichspüler der Eigenmarke und ein neues Schundblatt für „unser Mutter“ füllen. Das Magazincover mit Uschi Glas soll nach außen zeigen. Obenauf kommen zwei Tafeln dunkle Lindt-Schokolade, Bio-Äpfel, Evian-Wasser und Petersilie – als demonstrativ bürgerliche Tarnung. Die Maishähnchenbrust darf schließlich so weit hervorschauen, dass das „Kikok“-Logo sichtbar bleibt.

Beim Verlassen des Marktes beobachtet Bosse nach eigener Schilderung Elfriedes prüfenden Blick in seinen Korb. Seine abschließende Pointe: Wer Menschen so oberflächlich beurteilt, dem möchte er eigentlich gar nicht gefallen.

Heiko Bosse ist laut OM Online Mitglied der Chefredaktion der OM-Medien. Kontakt zum Autor ist über [email protected] möglich.